Feiern Freimaurer tatsächlich geheime Rituale?
Ja, das stimmt: Freimaurer feiern in ihren Logen Rituale. Der genaue Inhalt und Ablauf dieser Rituale unterliegt dem Gebot der Verschwiegenheit, ist also geheim.
Einen kleinen Einblick kann man jedoch gewähren, damit nicht der Eindruck entsteht, es würde sich dabei um etwas ehrenrühriges handeln:
Die Rituale der Freimauer bestehen in ähnlicher Form bereits seit Jahrhunderten, sind also gelebte Tradition. Der größte Teil der Inhalte entstammt dem Brauchtum der Steinmetze im Mittelalter. Sie werden in einem feierlichen Rahmen in einem Raum namens „Tempel“ zelebriert. Freimaurer-Rituale sprechen den Menschen in seiner Gesamtheit an, als denkendes aber auch fühlendes Wesen. Ihr Ziel ist auf jeden einzelnen Bruder gerichtet und sie sollen ihm das Rüstzeug für die Arbeit an sich selbst geben. Daher auch der Begriff „Tempelarbeit“.
Für verschiedene Anlässe gibt es unterschiedliche Rituale, z.B. für die feierliche Aufnahme eines neuen Bruders, für das Totengedenken, für den Jahrestag der Gründung, für den Beginn eines neuen Maurerjahres usw.
Die Rituale sind dem Wesen nach Wechselgespräche, die stets gleich ablaufen. Neben dem gesprochenen Wort bestehen sie aber auch aus nonverbalen Handlungen und Musik. Die Rituale unserer Großloge sind aufs Diesseits gerichtet und wirken nur psychologisch. Sie beinhalten keine religiösen oder physischen Handlungen, die in irgendeiner Form im Widerspruch zum Glauben der großen Weltreligionen stehen.
Wie wird man Freimaurer?
Mitglied der Freimaurer kann man nur durch Aufnahme in eine lokale Freimaurerloge werden, welche die ersten drei Grade (Lehrling, Geselle und Meister) bearbeitet.
Jede Loge legt selbst fest, wie genau mit Interessenten umgegangen wird, weshalb es sich lohnt, nach diesem Verfahren zu fragen. Es gibt eine Reihe von formalen Kriterien, die der Interessent erfüllen muss.
In der Regel sind die folgenden Schritte dann so, wie es auch bei unserer Loge zutrifft:
- Der Interessent wird von einem Freund oder Bekannten angesprochen, der selbst Mitglied einer Loge ist, oder er meldet sich aus eigenem Antrieb über das Internet bei einer Loge. Beides ist üblich und wird als gleichwertig betrachtet.
- Hat er sich aus eigenem Antrieb gemeldet, befragt ihn ein Bruder der Loge in einem meist telefonischen Vorabgespräch zu seiner Motivation und zu seinen Kenntnissen und er kann erste Fragen stellen.
- Hält dieser Bruder den Interessenten grundsätzlich für geeignet und bleibt der Interessent bei seinem Wunsch, gibt es ein persönliches Gespräch im kleineren Kreis mit ein paar wenigen Brüdern der Loge.
- Ist auch dieses Gespräch für beide Seiten positiv verlaufen, kann sich der Interessent an sog. Gästeabenden beteiligen, wo er einen Eindruck von der Freimaurerei, der Bruderschaft, der Gesprächskultur aber auch von Stil und Umgang der Brüder untereinander gewinnen kann. Diese Phase dauert i.d.R. mindestens ein Jahr und umfasst fünf bis sechs Termine.
- Nach dieser Zeit kann der Interessent einen Aufnahmeantrag stellen, über den in gleicher und geheimer Abstimmung alle Brüder der Loge entscheiden. Eine große Mehrheit der Stimmen ist für eine Aufnahme notwendig. Ist dies der Fall, wird der Interessent in einer feierlichen Zeremonie in die Loge und damit in die Freimaurerei insgesamt aufgenommen und ist damit zum Freimaurer-Lehrling geworden.
Stimmt es, dass Freimaurer geheime Erkennungszeichen haben?
Ja, das stimmt: Freimaurer weltweit haben geheime Erkennungszeichen, mit denen sie einander als Brüder einer Freimaurerloge erkennen können. Jeder Bruder gelobt bei seiner Aufnahme in den Bund der Freimaurer, dass er über diese Zeichen Stillschweigen bewahrt.
Im Internet kursieren viele Informationen mit der Absicht, diese Erkennungszeichen zu enthüllen. Naturgemäß äußern wir uns nicht zum Wahrheitsgehalt solcher Behauptungen.
Wer kann Freimaurer werden?
Die Kriterien, welche eine Loge an einen Interessenten stellt, sind nicht überall identisch, aber bei jeder Loge klar geregelt.
Bei „Rothschild´s Lion“ kann jede Person Mitglied werden, die die folgenden Kriterien erfüllt:
- Geschlecht: männlich oder weiblich
- Mindestalter: 16 Jahre
- ein im Sinne des Strafrechts einwandfreier Lebenswandel (keine Vorstrafen)
- positiver Leumund
- Glaube an ein höchstes Wesen (welche Religion oder Vorstellung genau, spielt aber keine Rolle) und an die Unsterblichkeit des Geistes
- wirtschaftlich geordnete Verhältnisse (zur problemlosen regelmäßigen Zahlung der Ukostenbeiträge für Aktivitäten und Veranstaltungen)
- genügend Zeit für die Teilnahme an Logenveranstaltungen
- innere Freiheit der Person, d.h. wichtige Entscheidungen für das eigene Leben selbst treffen zu können (Mündigkeit, keine geistigen Krankheiten, frei von Suchtproblemen und anderen Abhängigkeiten u.ä.)
Was haben Freimaurer mit der Politik zu tun?
Mitglieder einer Freimaurerloge sind als Staatsbürger selbstverständlich auch politisch denkende und in manchen Fällen auch handelnde Personen. Es ist jedem Bruder einer Freimaurerloge freigestellt, ob und wie er sich politisch engagieren möchte, solange dieses Engagement nicht den Grundsätzen der Freimaurerei widerspricht.
In der Praxis kann man feststellen, dass in Freimaurerlogen verhältnismäßig viele politisch interessierte und oft auch engagierte Mitglieder vorhanden sind, und dass es eine große Breite parteipolitischer Überzeugungen gibt.
Dennoch spielt Politik als Gesprächsgegenstand in den Logen praktisch keine Rolle, da solche Streitgespräche in den sog. Alten Pflichten von 1723 – bis heute dem wichtigsten Regelwerk der Freimaurer – konsequent ausgeschlossen werden.
Entsprechendes gilt für die Großlogen.
Die verbreitete Vorstellung, Freimaurer als Vereinigung würden eine politische Agenda führen und als solche einen Einfluss auf die Politik nehmen, trifft nicht zu. Schon das Aufstellen solcher politischen Ziele wäre wegen des großen Meinungsspektrums unter den Mitgliedern in der Praxis ein Ding der Unmöglichkeit.
Freimaurer betrachten sich als Gesinnungsgemeinschaft, nicht als Meinungsgemeinschaft.
Ist die Freimaurerei eine Sekte?
Die Freimaurerei als solche, sowie die einzelnen Logen sind keine Sekten. Alle soziologischen oder religiösen Kriterien, die eine Gemeinschaft als Sekte qualifizieren könnten, sind in der Freimaurerei unbekannt.
Dies wird vermutlich deutlich, wenn man einige der Grundsätze unserer Loge und unserer Großloge näher betrachtet:
- Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Toleranz und Humanität als Leitprinzipien.
- Demokratischer Aufbau der Logen und Großlogen mit gewählten Führungspersonen.
- Zeitliche Begrenzung aller wichtigen Ämter.
- Selbstverpflichtung auf unbedingte Glaubens-, Gewissens- und Denkfreiheit.
- Bekenntnis zur Aufklärung und zur Wissenschaftlichkeit.
- Aufnahme nur solcher Interessenten, die aus dauerhaftem eigenen Antrieb eine Mitgliedschaft anstreben.
- Mitgliedsbeiträge, deren Ziel nur die Kostendeckung ist. Keine teuren Kurse, Lehrmaterialien und Fortbildungen.
